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Ein seltsamer Fall, denn auf dem einen Band stand ´Mars´ geschrieben, auf dem anderen ´Jupiter´." 1935 Daniil Charms (1905 - 1942) Das in Amsterdam/ Holland ansässige Quartett DALGOO besteht aus dem Kontrabassisten Meinrad Kneer, dem Altsaxophonisten/(Bass-)Klarinettisten Tobias Klein, dem Tenorsaxophonisten/Bassklarinettisten Lothar Ohlmeier und dem britischen Schlagzeuger Milo Fell. In jeder ihrer Eigenkompositionen erzählt die Band jeweils eine Geschichte. Dabei benutzt Dalgoo Erzähltechniken, die aus der Theater-, Film- und Tanzwelt kommen: Monologe, Dialoge, 'Cuts' und 'Flashbacks' werden in Rhythmus und Melodie umgewandelt. Zur Umsetzung ihres Programms "New Anatomy" wurden drei Gäste eingeladen: Hester Boverhuis (Stimme), Leonid Vlassov (Schauspieler, russischer Erzähler) und Jasper le Clercq (Geige, Bratsche). Die Geschichten, Gedichte, Tagebuchnotizen, Kurzprosa und Theaterstücke, aber auch prägnante Aussprachen des russischen Schriftstellers Daniil Charms (1905 - 1942) bilden den Ausgangspunkt und Rahmen für 'New Anatomy': eine Kombination von Instrument und Stimme, Musik und Sprache (Russisch, Englisch, Holländisch und Deutsch). Eigenkompositionen von Klein und Kneer bilden den Rahmen für teilweise auch freie, instrumentale und/oder textuelle Improvisation. Ungewöhnliche, alternative Instrumentaltechniken, exotische Perkussionseffekte und die Wirkung der sonoren Klänge zweier Bassklarinetten kommen zum Einsatz, um ein möglichst reiches Klangfarbenspektrum zu schaffen. Der Schreibstil von Charms und die musikalische Ausrichtung von Dalgoo zeigen Parallelen auf: wiederkehrende Themen, Geschichten brechen plötzlich ab und werden später, oder in einer folgenden Geschichte fortgesetzt, Wirklichkeit und Fiktion gegenüber Komposition und Improvisation Das Spannungsfeld von "New Anatomy" entspringt aus der Wechselwirkung von Stimme/ Text und Instrument/ Musik. Dalgoo verwebt das musikalische der Texte und das erzählende der Musik zu: "New Anatomy". Im Oktober 2002 gewann Dalgoo mit 'New Anatomy' den renomierten, nur alle zwei Jahre vergebenen, 'Jur Naessens Musikpreis'! Daniil Charms (1905 - 1942) Man kann in Daniil Charms einen russischen Schriftsteller in der Tradition von Gogol, Dostojevski, oder auch Cechov sehen. Aber genau so gut kann man Charms einen Meister des Absurden nennen, der neben Ionescu und Beckett Bestand hat, oder man entdeckt bei ihm die Qualitäten eines Dadaisten, (vgl. Paul van Ostaijen). Charms als Repräsentant einer avantgardistischen russischen Künstlergeneration, die vom stalinistischen Terror systematisch ausgerottet wurde, geniesst seit den achziger Jahren in Russland und weit über dessen Grenzen hinaus, Kultstatus. Seine grosse Kraft als Prosaiker, liegt in seiner enthüllenden Einsicht in die Ungereimtheiten des täglichen Lebens und der Spielarten des Schicksals. In seiner Prosa beschreibt er eine leere Welt, die durch scheinbar grundlose Gewalt und Depersonalisation seiner (Anti-)Helden gekennzeichnet ist. Er ist ein Meister des schwarzen, oft ins perverse neigenden Humors. In seinen Tagebuchnotizen und Briefen kann man erahnen, was sich hinter Charms' täglicher Auseinandersetzung mit der beängstigenden, alltäglichen Wirklichkeit versteckte: Das Suchen einer eigenen Ordnung, die Sucht nach Reinheit und dem Essentiellen der Dinge, das Interesse an der Zahl und die Verneigung vor dem Wunder. Sounds:
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